Lebenserwartung in Deutschland auf Basis des Zensus 2011: War der Healthy-Migrant-Effekt nur ein Artefakt?

Felix zur Nieden, Bettina Sommer

Abstract


Die allgemeine Sterbetafel für 2010/12 des Statistischen Bundesamtes liefert für das vereinte Deutschland erstmals Ergebnisse zur Lebenserwartung auf Basis von Zensusdaten. Der vorliegende Artikel widmet sich deshalb der Frage, wie sich die Korrekturen der Bevölkerungsbestände im Rahmen des Zensus 2011 auf die Messung der Lebenserwartung ausgewirkt haben. Hierfür werden sowohl die amtlichen Sterbetafeln auf Basis der alten Bevölkerungsfortschreibung vor dem Zensus als auch auf Basis der Bevölkerungsdaten des Zensus 2011 analysiert. Die Vorgehensweise zur Berechnung der zensusbereinigten allgemeinen Sterbetafel 2010/12 wird zudem auf eine separate Erstellung von Sterbetafeln für die deutsche und die ausländische Bevölkerung übertragen. Befunde zum sogenannten Healthy-Migrant-Effekt können somit unter Ausschluss möglicher Fehler in der Bevölkerungsfortschreibung diskutiert werden. Diese waren zuvor als Hauptursache für eine deutlich höhere Lebenserwartung der ausländischen Bevölkerung im Vergleich zur deutschen Bevölkerung angeführt worden. Für die Bevölkerung insgesamt und für die deutsche Bevölkerung zeigen sich erwartungsgemäß nur sehr geringfügige Korrekturen der Werte für die Lebenserwartung durch eine Berechnung auf Basis des Zensus. Die Lebenserwartung von ausländischen Frauen und Männern wird durch die Nutzung von Zensusergebnissen jedoch deutlich korrigiert. Ein auf Basis der alten Bevölkerungsdaten gemessener Vorteil in der Lebenserwartung bei Geburt von über 5 Jahren, muss zensusbasiert auf etwa 2,9 Jahre bei den Männern und 2,1 Jahre bei den Frauen korrigiert werden. Der Healthy-Migrant-Effekt kann somit nicht ausschließlich auf Datenartefakte der alten Bevölkerungsfortschreibung zurückgeführt werden, da sich auch zensusbereinigt deutliche Überlebensvorteile der ausländischen Bevölkerung zeigen.

Keywords


Lebenserwartung; Sterbetafel; Sterblichkeit; Zensusauswirkungen; Healthy-Migrant-Effekt

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DOI (PDF): http://dx.doi.org/10.12765/CPoS-2016-05de

DOI (▪ Online Anhang): http://dx.doi.org/10.12765/CPoS-2016-06de

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